Ausgewählte Blindtexte Schnipsel, Stammtischparolen, Zettel u.a. –

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13.02.26

Mokassins

Meine Nachbarin (nicht die, die andere) hat mir neulich sone Ikea-Tasche (sone gutealte (die will sie auch bald wieder (was ich hundertprozentig nachvollziehen kann)) mit Schuhen gebracht, aus denen ihre Pubertiere innerhalb von zwei Tagen rausgewachsen waren, weil ich erwähnt hatte, daß ich keine brauchbaren Winterstiefel hab (zu eng, zu kalt, zu undicht). Habe dabei gelernt, daß Ikea die gutenalten Taschen aus dem Verkehr gezogen und durch neue (doofe!) ersetzt hat, was ich sehr bedauere, weil ichs beizeiten versäumt hab, mir eine zu klauen, wobei »beizeiten« heißt: damals (natürlich damals, ab einem gewissen Alter ist alles »damals«, außer der Rente (wenn man welche kriegt (wenn nicht, auch)) und dem Tod), als sie die nur verliehen haben und man sie an der Kasse wieder zurückgeben sollte, was aber ein Trick war, damit die Leute sie klauen und die Dinger incl Ikea dadurch Kult werden. Shame on me und Gloria denen ihrem Marketing. 

Jetzt hab ich also diese Ikea-Tasche hier stehen, die gutealte, voll mit Schuhen der Pubertiere und probier die so nacheinander durch, dicke Socken, dünne Socken, drinnen, draußen und auch mal nen linken von diesem und nen rechten von jenem Paar und andersrum, man ( =ich) weiß ja nie und lerne dabei zum Weiteren, daß meine Füße nicht nur zu kurz für die gängigen Größen, weshalb ich keine Schuhe mehr vom Discounter kaufen kann, weil die mittlerweile bei Größe 42 anfangen und ich zwischen 39 und 41 brauch, die Kindergrößen aber bei 38 aufhören, das geht also auch nicht, sondern auch noch zu breit sind. Was hab ich eigentlich für Füße? 

Und noch was lern ich: was das gutealte Sprichwort bedeutet, daß man niemanden beurteilen soll, bevor man nicht mindestens einen halben Mond lang in seinen Mokassins gelatscht ist. 
Da mein ich zB bei den einen immer nach fünfzig Metern, daß ich X-Beine hab (nicht »x Beine«), bis mir nach hundert jedesmal klar wird, daß es wahrscheinlich O-Beine sind und sie durch die anderen Schuhe in ne normale Stellung gemittelt werden (oder hat einer der Pubertiere X-Beine? Ob ich mal frag?). Oder die anderen: da tut mir nach ner viertel Stunde die Hüfte weh (rechts, Familienerbstück). Oder bei den nächsten dünkt mir, daß ich so ein bissl nach vorn gebeugt bin, so wies die Geschwindschreiter immer tun, wenn sie geschwindschreiten (vor allem bei Kunstwissenschaftlern verbreitet und arg wichtigen Kunststudenten, damals wenigstens. Ob ich ne Berufsempfehlung aussprech?). »Undsoweiter«. 

Nur von den zwei Paar Stiefel paßt keins und das ist natürlich doof, aber wird ja eh Frühjahr jetzt. Womit ich also auch noch was zur kollektiven Endorphinakkumulation beigetragen hätt.

-----

(Nachtrag) 
Grüße von der Nachbarin (nicht die, die andere) – keine x- oder o-Beine bei den Pubertieren, auch keine x Beine zu sehen, alles vorbildlich und gerade gewachsen, aber sie und eines davon sind erkältet. Die Nachbarin (die, nicht die andere) dto. 

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Bild: »Was hab ich eigentlich für Füße?«, 14,8x21cm, Rohrfeder, Tusche, Buntstift.

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12.02.26

Als ob ich tausend Augen hätte

Tausendaugen (2026)
»Darf ich was fragen?«, meine Therapeutin.
»Klar«, ich.
Immerhin hat sie jetzt meine Führerschaft akzeptiert. 

(Scher(l)z. War deswegen, weil sie mich mit Zwischenfragen schon öfter aus einem Gedanken bzw Gefühl gerissen hat, ich ihn/es dann nicht mehr erhaschen konnte und drauf recht struppig geworden bin)

(Scherl, oh Scherl! Da fehlt der Punkt in der Klammer! Du mußt aber! 
Nee. Sieht scheiße aus, laß ich weg)

Überhaupt: was ist denn heut los? 
Alle freundlich, schon auf dem Weg zur Haltestelle haben mich zwei gegrüßt, die ich nicht kannte, einzeln und die zuerst (s. oben: Führerschaft). Dto der Busfahrer (feindlicher Agent, unzureichend ausgebildet? Seit wann sind Busfahrer freundlich?) 

Setze mich auf einen Viererplatz. Gegenüber eine (ca Mitte Vierzig? Wer weiß das schon?) mit enger, schönbrauner Lederhose und wohlgeformtem Geläuf. 
»Coole Hose!«, ich (und zeige aufs Geläuf). 
»Dankeschön!«, sie (und freut sich).
»Sieht man selten, mit der Naht vorne«, ich (wirklich erbaut).
»Ja, die ist mir mal über den Weg gelaufen«, sie (und freut sich, auch wirklich erbaut). 
Und wir freuen uns gemeinsam. Als sie zwei Stationen später aussteigt, seh ich, daß die Hose hinten keine Naht hat und sie auch aus der Richtung wohlgeformtes Geläuf. Echt ne coole Hose. Das Braun hätt ich noch loben können. 

Ein Typ, zu breit für den Gang, kurzgeschoren, geordneter Salafistenbart (Wallah!), auf der Jacke irgendwas mit »Security«, hangelt sich nach vorn. Ein junges, ätherisches, reines, ehrliches, ungeschminktes, blondes, deutsches Mädel (oder Elfe?)(ca Sechzehn? Wer weiß das schon?), auf dem Platz hinter dem Fahrer (Strebersitz). Der geordnete Bart sagt was zu ihr, fummelt ein Kästchen raus, sie fummelt auch, er sagt wieder, sie haucht Antwort, er hangelt zurück nach hinten, sie blickt ihm ein paarmal angstvoll nach. Aha, der geordnete Bart ist ein Controletti. Aber die? Schwarzfahren? Niemals. Die hat doch ein Schülerticket. Und überhaupt, da muß doch eh jeder am Fahrer vorbei. Und überhaupt, seit wann haben wir hier Controlettis? Der Bart hangelt wieder zur Elfe. Er sagt, sie blickt, er fummelt (am Kästchen. Was denkt ihr denn?), sie blickt, sie packt, nächste Haltestelle, beide raus, Auftritt Controletti zwo, er sagt und fummelt (hat ein eigenes Kästchen), sie blickt, Bart blockiert die Tür vom Bus, Leute wollen rein, nix da. Zwo hat fertiggefummelt, er sagt, sie blickt, er gibt, sie blickt, der Bart geht von der Tür weg, Leute rein, Controletti Bart und Zwo ab nach rechts, Elfe ab nach links, schaut den beiden nach, angstvoll. 

Seltsam, seltsam. Aber heut hab ich eh mal wieder tausend Augen und seh alles und alles gleichzeitig. Blöderweise hör ich auch alles und alles gleichzeitig. 
Zweieinhalb Stunden später, Weg von der Haltestelle nach Heeme und brauch heut nichtmal Pause zum Atmen und so. Guter Tag eigentlich. Aber drei Stunden ausm Haus für fuffzig Minuten bei Charlie ist schon viel und fünf Euro für ne halbe Stunde fahren eh. Das »über den Weg gelaufen« hab ich allerdings erfunden, hört sich besser an. Sie hat »die hab ich mal gesehen« gesagt. Aber die Hose war echt cool. 

(Fürs Protokoll: 75 Fotos und drei Videos gemacht, 43/2 gelöscht (bisher))
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31.12.25

Prost Neujahr!

Ja, Silvester … hab Wäsche abgehängt und zusammengelegt und das Bett frisch überzogen. Wie schnell doch so ein Jahr vergeht … (Scherz. Hab ich im Februar oder so gemacht). Dann zwei Toast gegessen, Kaffee gemahlen, derweil Wasser gekocht, blabla.

Heut vor nem Jahr haben sie mich grad aus der Krankenstation in der Reha freigelassen, wo mich ne massive Panikattacke beim Abendessen hingebracht hatte (nee, so schlimm war das Essen dann doch nicht). Ich saß da, konnt mich nicht mehr bewegen, innerlich hab ich getobt wie ein Tier, das die Käfigwände hochgeht, eine am Tisch hat das gesehen und gefragt, ob alles ok ist, weil ich »gar nicht gut« aussehen würd und ich konnt grad noch »Nee« flüstern. Am Tag vorher war der Typ neben mir beim Frühstück in den Teller gefallen (echt, der ist einfach nach vorne gekippt und lag dann mit der Nase im halben Wurschtbrötchen, die andere Hälfte hing ihm zum Mund raus) und wir dachten schon, er ist tot, war er aber nicht, sie haben ihn wieder hingekriegt und deswegen waren alle noch ein bissl aufgekratzt.
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23.12.25

Mars

Heut ist doch schon das Weihnachtsgeschenk gekommen, das ich mir dies Jahr gegönnt hab. Schön, gell? Vorgestern Nacht um vier bestellt und heut Mittag da. Warum die Post das nicht hinkriegt, frag ich mich auch. Da ist man froh, wenn was überhaupt ankommt und wenns nach ner Woche ist, gleich doppelt. Wobei das ja eigentlich so schlecht nicht ist, wenn man froh sein kann und ist und man kann gleich nochmal froh sein, daß das so ist und es nix extra kostet. Willkommen in der Frohseinwelt! Bewerten Sie hier Ihr Frohseinerlebnis! Wobei die einen ja nichtmal siezen, sondern gleich so unverschämt duzen.
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21.12.25

Viva la revolución!

Gemäß dem Titel meines neuen Buchs »Öfter mal das Unbekannte« hab ich heut mal was anders gemacht und nach dem Frühstück das Frühstücksgeraffel einfach stehen lassen (bis auf meine Haferflockenschüssel, die Kaffeetasse (die hab ich mit ins Atelier genommen, weil ich immer noch ne halbe Tasse (ja, natürlich Kaffee, was denn sonst?) übrighab), das Gselz (ich weiß, manche/r/s schreibts auch »Xelz«, mein Vadder zb (auch sone Differenz)) und die Wurscht und den Käs (wobeis ja grad wurscht wär, weils im Kühlschrank acht Grad und in der Küche neun hat, aber so ein Päckchen mit zweihundert Gramm Wurscht oder Käs reicht mir gut zwei bis drei Wochen und da zählt jedes Grad (vielleicht))). Da beginnt die Revolution – Hasta la victoria siempre! Viva la revolución! – das Private ist politisch! (Aber einfach wirds nicht, das sag ich euch!)

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(Auszug aus meinem Buch »Öfter mal das Unbekannte«)
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16.12.25

Baryl

Mannmann, bin ich müd. Vorhin um sechs hab ich erstmal gefrühstückt, das hab ich heut morgen nur schnell. Nach dem Frühstück, dem vorhin, war ich dann so richtig müd und bin hier ein paar Mal glatt & kurz weggepennt. Kein Mensch sollt gezwungen werden, um 7.30 aufzustehen oder früher und für Geld schon gar nicht und für den MD auch schon gar nicht und das zum zweiten Mal gar gar nicht. Dann hab ich von acht bis zehn gewartet und da kamse dann und kommen solltse zwischen acht und zehn.
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12.12.25

Delta Nil

Evtl ne grüne Kartoffel mit blauem Hütchen in der Wüste oder am Strand, auf dem Hütchen steht »G« (aus Sachsen?) und sie hat
irgendwas vorne dran.
Mannmannmann, ich sags euch. Ich komm mir wieder vor, als hätt ich die halbe Welt umsegelt bzw -latscht, dabei latscht ihr sowas wahrscheinlich in ner Stunde oder so im Büro oder wasweißichwo und ich bin das meiste davon ja mitm Bus gefahren.

Aber erstmal Stiefel aus und dann Kaffee und eine rauchen. Ich versteh echt die Leute nicht mehr, die keine zehn Minuten ohne Kippe sein können. Aber das sind auch oft so Psychodinger. Da drückt irgendwas von innen und dann muß man was tun, damit das nachläßt und nicht irgendwo rauskommt. Und irgendwie. Dürfen sie in entsprechenden Anstalten ja auch, wenn ich recht informiert bin, wobei ich mirs andrerseits auch wieder nicht vorstellen kann, weil rauchen kommt ja in unsrer Leuchtenden Gesellschaft™ gleich nach dem Beelzebub, aber bei der einen, mit der ich mal näher zu tun hatte, war das auf jeden Fall so und die war noch nicht mal in der Obhut eines solchen Etablissements, dabei wärs arg nötig gewesen. Aber die lief draußen rum und hat geraucht und die Leute schalu gemacht, vor allem mich. Aber das ist ne andere Geschichte.
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08.12.25

Der Dämon

Manchmal merk ich, wie besessen ich schon von diesem bürgerlichen Dämon bin und mir wird bang*.

Neulich hat der Nachbar (nicht der, der andere) drüben Laub zusammengerecht und ich hab mich schon gewundert (erstes Aufscheinen des Dämons). Dann hat er aufgehört, obwohl noch Laub rumlag, ich dachte »Jo …« (zweites Aufscheinen des Dämons) und er hat den Rechen an den Baum gelehnt. Da dachte ich zwar nix, aber der Dämon zeigte sich trotzdem, irgendwo in einer meiner vielfältigen und -gestalten Ecken und Winkeln (da zeigen sich Dämonen und Geister ja öfter mal und wohnen da auch ab&an, dann sehen die Ecken dunkel aus und wie von einem leicht rauchigen Nebel umflort. Achtet mal drauf). Dann ging er weg, der Nachbar und wieder hob der Dämon das Haupt. Vorhin guck ich zum Fenster raus und seh, daß der Rechen immer noch da steht und diesmal lachte er noch dreckig, der Bürgerdämon. (Man (=ich) muß dazu sagen, daß die Nachbarn (die, nicht die anderen, meisten) schon auch ein bissl von dem Dämon besessen sind, aber nicht gar so, deswegen läßt zb er, der Nachbar, da auch den Rechen stehen. Gottseidank!)

Nachher guck ich dann wieder zum Fenster raus (nicht zu dem, zum anderen, hinten) und der Dämon faucht und brüllt und hat schon solche Zähne und gleich fängt aber auch ein andrer an und kriegt sich kaum noch ein: »Siehste?!«. Das ist mein Künstlergeist und Exorzist. 

Dann meint er: »Kennst du die Stimme vom Dämon?«
»Ja, die kenn ich, nur zu gut.«
»Das ist nicht seine – das ist die vom Dämon.«
So exorziert man über Generationen. 

=====
*Dieses Wort spricht man deutsch aus, liebe Kinder. Es kommt von »bange«. 

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(Auszug aus meinem Buch »Öfter mal das Unbekannte«) 

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01.12.25

Zufall?

Heute vor 72 Jahren erschien die erste Ausgabe des »Playboy« – ein Skandal.

Startkapital waren 8000$, für die Hugh Hefner einen Teil seiner Möbel verkauft und ein Darlehen von 1000$ von seinen Eltern erhalten hatte, die allerdings wenig vom Heftinhalt wußten. Produziert wurde das Magazin in Hefners Wohnung, größtenteils am Küchentisch (so sagt man).

Star und »centerfold« der ersten Ausgabe war die junge Marilyn Monroe. Vier Jahre vorher hatte sie, noch unbekannt, die Aufnahmen für 50$ von einer Kalenderfirma machen lassen, um ihre Miete bezahlen zu können. Sie wurden nie gedruckt, bis Hefner die Nutzungsrechte für 500$ gekauft und sie, wohl ohne Marilyns Wissen, im ersten »Playboy« veröffentlicht hatte.

Von den 70000 Exemplaren der Startauflage wurden knapp 55000 Hefte zu 0,50$ verkauft. (Konnte leider nicht ermitteln, was eins der ersten Ausgabe heut kostet)

Von 1970 bis 1985 gabs die Hefte auch in Brailleschrift (sic!). (Die Fotos als Prägedruck? (Anm. d. V.))

Den ersten deutschen »Playboy« gabs dann 1972, drei Jahre nach Herrn Scherls Geburtstag. Zufall?
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07.11.25

Nachteule

»Ich wickelte mich gleich einem Igel in die Stacheln meiner eigenen Gedanken zusammen (…). Und so saß ich auf dem Baume droben wie die Nachteule, in den Ruinen meines Glücks, die ganze Nacht hindurch.«
(Joseph von Eichendorff: Aus dem Leben eines Taugenichts)

Vorhin hatte ich mich grad mal wieder richtig schön in Form philosophiert, aus gegebenem Anlaß, darüber, wie verkommen einige Exemplare dieser gemästeten BürgerInnen doch sind, deren größtes Problem es scheints ist, ob das Bad in ihrem Urlaubsort auch einen beheizbaren Handtuchhalter haben möge, kam nach dem Frühstück aus der Küche ins Atelier und freute mich: Ah, schön warm!, es hatte 13,5 Grad, in der Küche waren’s 10, die Eichendorff-Lesung war eben an der Stelle mit dem Igel und der Eule, da gab sich der Grünspecht nach langer Zeit mal wieder die Ehre, hoppste ein paar Mal den Apfelbaum rauf und runter, blickte auch ins Astloch, soso, aha, der sehr aparte Klang von Rot und Grün und meine Augen juchzten, dann wieder ab, viel zu schnell, nach links, wie immer, da kehrten auch die Amseln wieder und die Meisen und die Spatzen, die ob des Kavenzkerls davongestoben waren, sprangen im Gestänge des Tomatenhäuschens, das ich nur deswegen seit Jahren noch nicht abgebaut hab, damit sie was zum Sitzen haben, im Efeu, Apfel und im Pfirsich, ich trink nen Schluck Kaffee, dreh mir die erste Zigarette, zünd sie an, schau raus, ein Meter vor mir ne Meise auf nem Pfirsichast, zwei Meter über mir landet ne Amsel auf der Dachrinne, der Klang! – so schön wie der von fallendem Laub.

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09.10.25

Klammern

Zum Bus – husch husch!, damit er mir nicht wieder vor der Nase wegfährt und ich ne halbe Stunde warten muß (auch wieder): gegenüber vom Dönerladen und neben meiner einstigen Stammkneipe (aber das ficht mich ja nicht mehr).

Guck ins Schuhladenschaufenster (kurz!): die roten in gelb bitte, in meiner Größe und zu nem Preis, den ich zahlen kann. 
Ich hör die Schuhladenfachverkäuferin vor meinem inneren Auge ganz leis kichern (wenn man jemanden vor dem inneren Auge … na, wurscht (darf man ( =ich) das jetzt noch »Wurscht« nennen? (Auch wurscht)))((Irgendwann vergeß ich bestimmt mal, ne Klammer zuzumachen)(oder auf (?))
(… naja … wobei … eigentlich ist mir bei denen die Spitze zu spitz: also nee (sprach der Fuchs (zu den Trauben)))
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Berg

Klar, Wohlstand usw usf, wie immer. Faules Künstlerpack – nix arbeiten, aber immer Pause machen und Kaffee saufen. Oder noch Schlimmeres! Jaja… 

Bei der Doktorette haben sie sich wieder gefreut, weil ich da immer so fleißig die Aquarelle vom Doktorettevadder anguck: Anfang/Mitte des Jahrhunderts (ja freilich des vergangenen, Mensch!), allesamt Bergmotive und teils gar nicht schlecht (und wenn ich das sag, wills was heißen). Und heut wars sogar eins, das ich noch nicht entdeckt hatte. Ich wart also auf den Kaiser Wilhelm von der Doktorette auf der Überweisung und guck und es freuen sich: die Doktorette, vier (sic!) Doktorettenhelferinnen und einer, bei dem ich noch nicht rausgekriegt hab, was er da macht. Aber er spricht die Ansage auf dem AB und ist glaub der Olle von der Doktorette. Wird also Büroleiter oder sowas sein und aufpassen, daß die Doktorette, die Doktoreusen und die Doktorettenhelferinnen alles richtig machen. 

Dafür hatte der Bäcker grad zugemacht bzw die Bäckerin die Kasse und die Eisdiele macht auch gleich zu und kalt ists eh und ich muß noch zum anderen Bäcker dackeln oder auch nicht. Künstler halt. 
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05.10.25

portable headbanger

»portable headbanger« (inspired by stefan roigk), 2005

2005 habe ich bei einer Ausstellung in Berlin die Multimediakünstler Stefan Roigk und Daniela Fromberg kennengelernt. Entweder hatte ich da die Videos »headbanger« (eine Performance) aus meiner Reihe »Modern Masters of Art« gezeigt oder Stefan hatte sie auf meinem Videokanal gesehen. Wie dem auch sei – er meinte, er hätte eine Arbeit mit demselben Titel: ein flaches Polster an der Wand befestigt, daneben zwei Haltegriffe und aus einem Lautsprecher ein leises Knacken, Knistern, Reißen. Da könne man sich an den Griffen festhalten und den Kopf dranhauen. Sozusagen die Do-it-yourself-Erweiterung meiner Perfomance. Ich war begeistert.
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02.10.25

Typisch Künstler

©scherl 2025, Digitalzeichnung

Heut vor 75 Jahren (sic!) veröffentlichte Charles M. Schulz den ersten Strip der »Peanuts« (1947 gab es die ersten Veröffentlichungen unter dem »Titel Li’l Folks«). – Etwas Hoffnung für den von Selbstzweifeln geplagten, wenig erfolgreichen Schulz (Künstler halt, typisch (Anm. d. Red). Bald darauf erscheinen sie in mehreren Zeitungen.

Der Name kommt von einem Vertriebler der Agentur, der den Comic noch nie gesehen hatte. Er machte zehn Vorschläge, einer davon war »Peanuts«, den haben sie dann genommen. 

»‹Peanuts› – das ist der schlimmste Name, der je für einen Comicstrip benutzt wurde. Das ist total lächerlich. Er hat keine Bedeutung und keine Würde.«
(Charles M. Schulz in einem Interview über die Namensgebung)

Die »Peanuts« erschienen vom 2. Oktober 1950 bis zum 13. Februar 2000. 
Am 12. Februar 2000, einen Tag vor der Veröffentlichung des letzten Strips, starb Charles M. Schulz.
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26.09.25

Scheusal

Erinnert ihr euch an meinen »Exodus«-Text von neulich? – Das war ja am 4. September 2018. Das Foto hier hab ich drei Tage danach gemacht. Da hatte ich viel geschlafen, gegessen, bin ein bissl klarer geworden usw usf, ich seh aber immer noch, was vorher war, wie's mir da ging und wie sehr ich noch im Eimer war.

Ich dachte die ganze Zeit, daß da ein Spruch drauf muß, ein paar Wochen danach hatte ich zwei gefunden und beide draufmontiert, war aber nicht zufrieden damit. 

Das war bis vorgestern so, da hab ich gemerkt, daß es funktioniert, wenn ich nen Zweiteiler draus mach, da wird dann ne Entwicklung sichtbar.  

Hier Teil eins, den zweiten gibts morgen (ihr mögt ja Spannung, gell?).
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20.09.25

Verkäuft

»Caravan (Walchensee)«, 18x24cm, Acryl auf Leinwand, 5/2025

Damals in Kassel hatte ich mal meinen Red Racer (Polo, bestes Auto der Welt) in der Werkstatt (Lewe, in der Sandershäuser, wers genau wissen will (beste Werkstatt der Welt)).

Als ich hinkam, um ihn abzuholen, war grad keiner da und ich hab ein bissl in der Werkstatt rumgeguckt.
Stand da ein allerliebstes kleines cremefarbenes Wohnwägelchen, grad groß genug für mich und meine Ruhe und ich lächelte das Wohnwägelchen an und das Wohnwägelchen lächelte mich an und hach! und dann kam der Lewe um die Ecke: »Da guckste, was wir aus deinem Polo gemacht haben, wa?«

Wat hamwa jelacht!

Aber ach!: »Nee, der verkäuft den nich.«

Ach!

(»verkäuft« sic!)

»Caravan (Walchensee)« (Nachttischzeichnung),
10,5x14,8cm, Bleistift auf Papier, 4/2025
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19.09.25

Serie: »Rev. ©scherls Empfehlungen fürs Seelenheil«

Jetzt regen sich wieder alle drüber auf, was der Papst zur Frauenweihe, lgbtqetcpp gesagt hat, fordern dies & jenes, wollen Hü & Hott usw usf. Die »Gesellschaft drehe sich schneller, deswegen müsse sich auch die Kirche schneller drehen«. Ist schon recht. 

Das haben sie wahrscheinlich damals beim Goldenen Kalb auch gefordert, aber die Kirche ist halt kein Wunschkonzert mit Bonsche und Bier für alle und alles umsonst.
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18.09.25

Warmstart

Hm… die Sonne lacht. Haha. 


…und ich sollt rausgehen zum Pfirsiche klauben, die der Wind runtergerissen hat, weil ich da nachher der Nachbarin (nicht die, die andere) welche bringen will, die haben zwei Kinder und da kommen sie schon weg, hoffentlich. 


Mich hats die vergangenen Jahre so gereut, da hab ich sie (die Pfirsiche, nicht die Kinder) mit der Schaufel zusammengeschippt und eimerweise auf den Kompost geschmissen, weils für mich vielzuviel war. Ich hab bei vor allem bei solchen Geschenken ja eh meistens den Eindruck, daß ich nicht gemeint bin. 


Aber ich will schreiben, weil mir sonst die Birne platzt vor lauter Eindrücken, die ich noch nicht verwurschtet hab und dann kommen ja grad noch mehr dazu. Und die Bücher müssen fertigwerden. Und die Kalender. Und das Ausmalbuch. Und. 
»Es irrt der Mensch, solang er strebt«. So ist das mit den Geschenken. 


Ach ja, Birnen hab ich auch noch, aber die sind glaub noch nicht reif.
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16.09.25

Wird Herbst

Nee, nix Wohlstand – Therapie wieder, jetzt après-Dingens. Andere gehen ins Gymn, ich zum Psychozirkeltraining. Ächz. 

Aber »irgendwie« doch Wohlstand: es sind Menschen um mich, immerhin. Und der Kaffee ist besser. Immerhin.

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12.09.25

Grabungen & Sedimente (und ein Schmankerl über Tomi Ungerer)



Ausgestattet mit meinem gutenalten Lineal (30cm, Holz, multifunktional) hab ich heut meine Bibliothek durchforstet (resp: -wühlt, umgegraben gar), weil ich ein Buch gesucht hab, das dem neuen Format für »Zotate«, »Verhörer/Verleser/usw/usf« und »Öfter mal das Unbekannte« (alles drei Arbeitstitel) nahekommt (vgl Text »Septemberdrain« von gestern) – ich muß was in der Hand haben, damit ich arbeiten kann (Thomas – Nomen est Omen (deswegen greif ich wahrscheinlich auch gern mal in Wunden. Tschuljung)).
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