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21.12.25

Viva la revolución!

Gemäß dem Titel meines neuen Buchs »Öfter mal das Unbekannte« hab ich heut mal was anders gemacht und nach dem Frühstück das Frühstücksgeraffel einfach stehen lassen (bis auf meine Haferflockenschüssel, die Kaffeetasse (die hab ich mit ins Atelier genommen, weil ich immer noch ne halbe Tasse (ja, natürlich Kaffee, was denn sonst?) übrighab), das Gselz (ich weiß, manche/r/s schreibts auch »Xelz«, mein Vadder zb (auch sone Differenz)) und die Wurscht und den Käs (wobeis ja grad wurscht wär, weils im Kühlschrank acht Grad und in der Küche neun hat, aber so ein Päckchen mit zweihundert Gramm Wurscht oder Käs reicht mir gut zwei bis drei Wochen und da zählt jedes Grad (vielleicht))). Da beginnt die Revolution – Hasta la victoria siempre! Viva la revolución! – das Private ist politisch! (Aber einfach wirds nicht, das sag ich euch!)

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(Auszug aus meinem Buch »Öfter mal das Unbekannte«)
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01.12.25

Zufall?

Heute vor 72 Jahren erschien die erste Ausgabe des »Playboy« – ein Skandal.

Startkapital waren 8000$, für die Hugh Hefner einen Teil seiner Möbel verkauft und ein Darlehen von 1000$ von seinen Eltern erhalten hatte, die allerdings wenig vom Heftinhalt wußten. Produziert wurde das Magazin in Hefners Wohnung, größtenteils am Küchentisch (so sagt man).

Star und »centerfold« der ersten Ausgabe war die junge Marilyn Monroe. Vier Jahre vorher hatte sie, noch unbekannt, die Aufnahmen für 50$ von einer Kalenderfirma machen lassen, um ihre Miete bezahlen zu können. Sie wurden nie gedruckt, bis Hefner die Nutzungsrechte für 500$ gekauft und sie, wohl ohne Marilyns Wissen, im ersten »Playboy« veröffentlicht hatte.

Von den 70000 Exemplaren der Startauflage wurden knapp 55000 Hefte zu 0,50$ verkauft. (Konnte leider nicht ermitteln, was eins der ersten Ausgabe heut kostet)

Von 1970 bis 1985 gabs die Hefte auch in Brailleschrift (sic!). (Die Fotos als Prägedruck? (Anm. d. V.))

Den ersten deutschen »Playboy« gabs dann 1972, drei Jahre nach Herrn Scherls Geburtstag. Zufall?
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02.10.25

Typisch Künstler

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Heut vor 75 Jahren (sic!) veröffentlichte Charles M. Schulz den ersten Strip der »Peanuts« (1947 gab es die ersten Veröffentlichungen unter dem »Titel Li’l Folks«). – Etwas Hoffnung für den von Selbstzweifeln geplagten, wenig erfolgreichen Schulz (Künstler halt, typisch (Anm. d. Red). Bald darauf erscheinen sie in mehreren Zeitungen.

Der Name kommt von einem Vertriebler der Agentur, der den Comic noch nie gesehen hatte. Er machte zehn Vorschläge, einer davon war »Peanuts«, den haben sie dann genommen. 

»‹Peanuts› – das ist der schlimmste Name, der je für einen Comicstrip benutzt wurde. Das ist total lächerlich. Er hat keine Bedeutung und keine Würde.«
(Charles M. Schulz in einem Interview über die Namensgebung)

Die »Peanuts« erschienen vom 2. Oktober 1950 bis zum 13. Februar 2000. 
Am 12. Februar 2000, einen Tag vor der Veröffentlichung des letzten Strips, starb Charles M. Schulz.
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26.09.25

Scheusal

Erinnert ihr euch an meinen »Exodus«-Text von neulich? – Das war ja am 4. September 2018. Das Foto hier hab ich drei Tage danach gemacht. Da hatte ich viel geschlafen, gegessen, bin ein bissl klarer geworden usw usf, ich seh aber immer noch, was vorher war, wie's mir da ging und wie sehr ich noch im Eimer war.

Ich dachte die ganze Zeit, daß da ein Spruch drauf muß, ein paar Wochen danach hatte ich zwei gefunden und beide draufmontiert, war aber nicht zufrieden damit. 

Das war bis vorgestern so, da hab ich gemerkt, daß es funktioniert, wenn ich nen Zweiteiler draus mach, da wird dann ne Entwicklung sichtbar.  

Hier Teil eins, den zweiten gibts morgen (ihr mögt ja Spannung, gell?).
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18.09.25

Warmstart

Hm… die Sonne lacht. Haha. 


…und ich sollt rausgehen zum Pfirsiche klauben, die der Wind runtergerissen hat, weil ich da nachher der Nachbarin (nicht die, die andere) welche bringen will, die haben zwei Kinder und da kommen sie schon weg, hoffentlich. 


Mich hats die vergangenen Jahre so gereut, da hab ich sie (die Pfirsiche, nicht die Kinder) mit der Schaufel zusammengeschippt und eimerweise auf den Kompost geschmissen, weils für mich vielzuviel war. Ich hab bei vor allem bei solchen Geschenken ja eh meistens den Eindruck, daß ich nicht gemeint bin. 


Aber ich will schreiben, weil mir sonst die Birne platzt vor lauter Eindrücken, die ich noch nicht verwurschtet hab und dann kommen ja grad noch mehr dazu. Und die Bücher müssen fertigwerden. Und die Kalender. Und das Ausmalbuch. Und. 
»Es irrt der Mensch, solang er strebt«. So ist das mit den Geschenken. 


Ach ja, Birnen hab ich auch noch, aber die sind glaub noch nicht reif.
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22.08.25

Papiermuster, weibliche Körperteile, Geigen, Gepäckträger, Fußballtrainer, Eastereggs



Juhu – Papiermuster sind da! Habs natürlich sofort nach dem Frühstück, VOR der ersten Zigarette durchgearbeitet. 

Ergebnis: das für den Innenteil hatte ich eh schon richtig ausgesucht, nur bei dem fürs Cover hätt ich meinem Widerwillen gegen Fakes folgen sollen (egal ob bei weiblichen Körperteilen, Geigen vom Synthy oder Papier mit Leinenprägung)(oder »KünstlerInnen«). Aber dafür guckt man ( = ich) sich ja Muster an, ne? 
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17.08.25

Not a bug



Unordnung birgt glückseelige* Momente – hab ich alle vorhin wiedergefunden! 

Dachte, die sind unwiederbringlich verloren und hatte neulich noch arg viel Herzeleid wegen dem** Arno Schmidt und dem Schröder, auch wegen Tieck (nur der Fouqué bleibt verschollen).

(Trotzdem:) Hach! ♥

===== 

* Ich weiß, man*** schreibts nur mit einem »e«****/******
** Ich weiß, man*** schreibt »wegen des«****/******
*** (= Oberstudienräte***** (und solche, die sich dafür halten)) 
**** Bzgl Korrekturen bitte Nummer ziehen und dann zügig an der Garderobe abgeben
***** nebst *innen
****** Ich bin nicht auf der Welt, um krauße******* Vorschriften zu befolgen. 
******* Ja, ich weiß… 

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14.08.25

Mutter Gottes im gelben Catsuit



(Ihr habt ja gern Schweinkram und sowas, gell?)

(Disclaimer: Text ist nicht geeignet für Kinder (für die vielleicht noch eher, aber mit Eltern zum Erklären dann), Emanzen usw usf. Bitte woanders rumklicken)

Anfang der 2000er: ich war relativ frisch einer arg langen, arg giftigen Beziehung entronnen, mit ua arg viel Eifersucht (obwohl ich in der Zeit 100% treu war, hatte aber zb auch Jahre später noch das Gefühl, daß ich fremdgeh), noch verseucht, vergiftet, kontaminiert von den ganzen Pärchengewohnheiten & -kommunikation, Do’s & Dont's etc, ich war eine ausgehungerte Bestie, auch nach Leben, hatte fast meine kompletten 20er, fast mein ganzes Studium mit der Frau verbracht, wenn andere auf strammen Künstlerstudiparties waren, waren wir daheim, aufm Land, in Nordhessen, links Autohaus, davor Bundesstraße, gegenüber Tankstelle. 
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07.08.25

StGB

Das ist ja immer ein Zeichen, daß ich einigermaßen entspannt bin, wenn ich die Haare aufmach, mehr noch, wenn ich draußen bin. 
 
Da sind mir dann auch stets die neidvollen Blicke der Mädels sicher, deswegen mach ich das normalerweise nicht – ich möcht sie nur ungern mit ihren technischen und formalen Defiziten konfrontieren (mit den seelischen* eh). Ist bestimmt auch verboten (deswegen). 
 
=====
 
* Soll ich das noch begründen?
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06.08.25

»Bitte ruhet in Frieden, denn die Fehler werden nicht wiederholt werden«

Jetzt hab ich die Tage an einem Text rumgedacht und -geschrieben über Hiroshima. 

Wird sich irgendwas ändern, wenn ich jetzt ein Foto vom »Day After« post und was dazu schreib, wie den Menschen da auf der Flucht die Füße weggebrannt sind, weils die Hitze zu Boden gedrückt hat, andere, die in Flüsse gesprungen sind, da drin gekocht wurden, wie es Säuglinge, die Mütter auf dem Rücken getragen haben, geröstet hat, Leute einander Tage später Fliegenmaden mit Eßstäbchen aus offenen Brandwunden geklaubt haben, daß in den ersten Sekunden 80.000 Menschen einfach verdampft sind (die hatten Glück), wieviele Jahrezehnte unter den Folgen gelitten haben, daß die Radioaktivität da heut immer noch höher ist, als irgendwo sonst auf der Welt und immer noch bauen sie Bomben und fordern sie Bomben und immer weiter aufrüsten usw usw usw usw?

Nein, es wird sich nix ändern. Keiner wird sich dann nachdrücklicher für Frieden und Abrüstung einsetzen und für Verbindung statt Spaltung. Kein einziger mehr wird diese ganzen Lügen nicht mehr glauben, mit denen sie uns immer wieder in Kriege hetzen, in denen die einfachen Menschen über Jahrzehnte leiden und aus denen die Anführer und Bonzen Profit schlagen und ihre Macht immer weiter ausbauen, um wieder neue Kriege anzuzetteln, an denen sie wieder verdienen und wieder rennen ihnen alle mit »Hurra!« hinterher – und wieder sind wir grad live dabei, für »Volk und Vaterland« heut auch gern »Frieden und Demokratie« genannt. Hurra! Ach ja – und für »Freiheit«, die darin besteht, daß wir jedes Jahr ein neues Handy kaufen, unseren Müll fünfmal im Jahr in anderen Ländern verteilen können (wenn wir die Kohle dafür haben) und uns regelmäßig zwischen den gleichen 3, 4, 5 Parteien entscheiden dürfen, die das gleiche machen, wie die vorher: die nächsten Kriege vorbereiten und weiter Geld nach oben schaufeln (nee – die anderen würdens ganz genau so machen).

Dann gehn wir mal los und kaufen Vorräte für 72 Stunden ein, wie derzeit geraten wird. Wir werdens bald brauchen – oder auch nicht (mehr).

Ich laß jetzt erstmal die Hummel da am Fenster raus, da kann ich wenigstens noch was ändern.


Foto von Thomas Scherl aus seiner Serie "Friedhofsblumen"
Foto: aus meiner Serie »Vanitas – Friedhofsblumen«, 2012-2014/2021 ©scherl

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»Bitte ruhet in Frieden, denn die Fehler werden nicht wiederholt werden« – Inschrift auf dem Kenotaph von Hiroshima. Darin befindet sich eine Liste aller (bekannten) Atombombenopfer. Sie wird bis heute im Rahmen einer Zeremonie mit den Namen von Personen fortgeführt, die an den Spätfolgen der Verstrahlung gestorben sind. Am 6. August 2025 über 334.000 Einträge. Genauer übersetzt: »Lasst alle Seelen hier in Frieden ruhen; denn wir [= die Menschheit] wollen das Böse [= den Krieg] nicht wiederholen.«
https://de.wikipedia.org/wiki/Kenotaph#Kenotaph_von_Hiroshima 

 

©scherl, 06.08.2025 


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27.03.18

Gebet eines Künstlers

Hätt mir Gott/öttin (oder wer auch immer) zu meinem Talent (oder was auch immer) eigentlich nicht noch das nötige Selbstvertrauen mitgeben können (wahlweise ne große Schnauze), damit ich das Erschaffene auch an Mann oder Frau (oder wen auch immer) bringen kann?

Oder mir jemanden schicken, der das für mich, gegen Provision freilich, übernimmt? Und/oder so viele solvente Kunden, damit ich mein bescheidenes Leben fristen und wenigstens ein Atelier haben kann?

Nee, Eissig ists. Da renn ich also rum mit meinem Talent und kann mich zu Tode grämen, gell? Nix für ungut, Gott/öttin (oder wer auch immer), aber so ist das einfach saumäßiger Pfusch. Das Talent hättste Dir mal besser in den Bart (oder wohin auch immer) geschmiert.



…und dann kommter/se (oder wer auch immer) wieder an: Warum sollts Dir besser gehn?

– Super, danke. Kann ich mich auch noch verarschen lassen. Nochmal sowas und ich werd Moslem.

– Der war gut!

– Achja… – Mensch, like mir doch den Buckel runter!
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21.02.18

Der geheime Sinn der Maschinen, Geräte etc

Ich hatte eine Erkenntnis.

Ich glaube, der geheime Sinn der ganzen Maschinen und Geräte - Spül-, Wasch-, Toaster, Kühl-, Autos, Flugzeuge, Türen, … - usw usf, ist es, Geräusche zu machen, alles andere ist unbeabsichtigte Nebenwirkung,
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14.06.17

Auf der Gass

»Na, haben Sie n interessantes Motiv gefunden?«
Ich hatte grad ne Reihe Mülltonnen fotografiert.
»Das weiß ich meistens erst später, wenn ich sie größer seh.«
»Wir sind erst vor kurzem zugezogen und ich mach jeden Tag ne kleine Runde, um die neue Umgebung zu erkunden.«
»So mach ich das auch, aber mitm Foto halt.«
»Ah, ja, da hat man dann so Gedächtnisstützen nachher.«
»Bei mir ists eher, weil ich da ganz anders seh, viel intensiver und so.«
»Ja, da kuckt man anders.«
»Jo.«
»Ich mach jeden Tag ne kleine Runde und jeden Tag ein bißchen weiter. Da merk ich mir dann immer do Sachen wie: da vorne kommt der Holzzaun, da muß ich dann links abbiegen; oder: da drüben fährt jetzt das kleine rote Auto rein, da biste dann da und dann nochn Stückchen; oder bei der krummen Lampe gehts erst gradaus und dann mußte rechts. Hier sieht ja ein Haus aus, wies andere.«
»Och, find ich nicht. Die sind doch eigentlich alle unterschiedlich.«
»Stimmt. Jetzt, wo Sie das sagen…«
»Darf ichn Foto von Ihnen machen?«

Immerhin lernt man Leute kennen, wenn man auf der Gass fotografiert.
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11.04.17

Im Café

Frau Café hat kassiert und sieht mein offenes Skizzenheft auf dem Tisch liegen.

Sie: Du zeichnest gerne? 🙂
Ich: Naja, ich /muß/… 😊
Sie: Wieso, hast du nen Termin? 😊
Ich: Nee, ich bin Künstler. 🙂
Sie: Ich nur hobbymäßig, wie man da drin an meiner Wand sieht. 😊
Ich: Och, die ist nicht schlecht, die Wand. 🙂
Sie: Dann noch viele gute Ideen! 🙂
Ich: Danke - meistens sinds zu viele. 😊
Sie: Mhm… und dann wirds meistens anders, als man sichs gedacht hat. 🙂
Ich: Na, das ist doch die interessantere Variante. 🙂
Sie: Ich hab oft den Eindruck, daß die Bilder beim Malen wachsen.
Ich: Sage: ja, so ähnlich. 🙂
Denke: Nee, so auch wieder nicht, aber ich willse ja auch nicht weiter aufhalten, das Mädel hat ja zu tun.
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14.07.16

Im Norden (ein Märchen)

Es war einmal ein kleines Dorf in einem Landstrich im Norden eines Landes, in dessen sonnenbeglückten Süden man Maultaschen, Leberkäsweckle, Sauerbraten, Spätzle, Kartoffelsalat, Hefezopf und viele andere Leckereien mehr aß, im Norden aber kalten, nassen Fisch mit roten, blutenden Rüben, die nach Erde schmeckten und Kartoffeln, tagaus, tagein.

Und die Menschen, die dort geboren waren, blickten finster und mürrisch drein, so als ob man ihnen grade eben Vater und Mutter erschlagen und sie selber aufs Gröbste beleidigt hätte und es war selten, daß ihnen mehr als zwei Wörter nacheinander aus dem Munde kamen, aber meistens war es nur eines und das eine davon war »Moin« und das andere war »Jo«.

Über diesem Landstrich gab es oben im Himmel einen großen See und dieser große See war gespeist von einem breiten Strom, der nie versiegte, da alle Wasser des Himmels in ihn flossen und in dem kleinen Dorf in dem Landstrich im Norden des Landes saß ein Mann an einem schönen Tisch und war froh, daß es diesen großen See gab, der von dem breiten Strom gespeist war, der nie versiegte, denn sonst hätte er keine Erklärung dafür gehabt, daß es tagaus, tagein schifft.
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30.04.11

Et in Arcadia ego …

(zu Stefan Dernbachs "LiteraTour de France" auf revierpassagen)

Sehr passend hab ich vorgestern von Reich-Ranicki den Aufsatz "Betrifft Literatur und Sport" (1964) gelesen, in dem er feststellt, daß Sport & Literatur (oder sagen wir doch Sport & Kunst) "feindliche Brüder" sind – die Sportaufführung macht die Kunst überflüssig, Sport als Kunstersatz.

Frage mich seit Jahren, wo, wer und wie wir wären, wenn Geld, Aufmerksamkeit, Energie usw usf, das in Sport fließt, in die Kunst ginge. Wären wir besser dran? Schlechter?

Man muß sich das mal vorstellen: die Herde Kiddies, die jede Woche zwei Mal plein-air-Malerei trainiert, angeleitet von nem guten Coach. Oder im Senioren-Kollektiv gehts Mittwochabend nicht zum Schwimmen sondern zum Aktzeichnen. Wettbewerbe im Dichten, Singen (nein, nicht DSDS), Collagieren …

Neulich ne Doku wie die HSV-Fußballer gut, gesund und teuer vom Spitzen-Küchenchef bekocht werden und nicht zuletzt dadurch Höchstleistung liefern. Es gab dann noch den Test mit der Jugendabteilung: der eine Teil bekam das gute Bio-HSV-Futter, der andre den üblichen Wie-bei-Muttern-Fraß (Pommes, Hamburger, Currywurst). Wer hat wohl besser abgeschnitten?

Mir hat sich da die ganze Zeit das Bild einer Künstler-Clique drübergeblendet, die solchermaßen versorgt wird. Beste Nahrung, nicht das HartzIV-Angebot von ALDI; erlesene Weine statt dem 2010er Schädelspalter; Bier aus der feinen Kleinbrauerei, kein Dosen-Hansa usw usf. Und dazu natürlich sehr gutes Arbeits-Material.

Und über diese Überblendung hat sich dann noch eine gelegt: "Die Gelehrtenrepublik" von Arno Schmidt.

Wie, wer, wo wären wir also? – Ich mag mirs lieber nicht mehr vorstellen … evtl …

(… und der Schmidt war ja eh 1 Miesmacher 1. Güte …)
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05.10.10

Erkenntnisse eines Fotoexcursierenden

… ne Kamera ist wie n Hund: man lernt einfach, schnell und freundlich Menschen kennen und kommt mit ihnen ins Gespräch.

Im Gegensatz zum Hund ist der Anlaß allerdings oft – nicht immer – Mißtrauen: in den vergangenen Wochen hat man mir mich bereits drei Mal unterstellt verdächtigt, daß ich Mitarbeiter bei StreetView und somit – nach den Wippermannschen Ausführungen (Edit: bzw hier) – direkter Mitarbeiter des Leibhaftigen bin.

Ich habe mir also vorgenommen, daß ich, wenn mich das nächste Mal jemand fragt, was ich denn da für wen mache, antworte, daß ich Fotos für StreetView mach – die vom Auto neulich seien nix geworden und ich muß jetzt rumlatschen und nachfotographieren, weil mir sonst die ARGE die Bezüge streicht, die arbeiten nämlich im Geheimen mit Google zusammen.

Seither fragt mich keiner mehr – Scheiß-Kommunikations-Phänomene (oder was da auch immer wirken mag).

Im Gegenteil: vorgestern kam ich sogar mit einem erfreulich unmißtrauischen Schaafbesitzer ins Gespräch und erfuhr innerhalb von 20 Minuten, daß
  • man (sprich: die Schaafbesitzersfamilie) zum Bau eines neuen Schaafsstalls sich entschlossen habe,
  • weil der Junge jetzt doch weitermacht,
  • es außerdem die Solarzellenförderung gegeben habe,
  • der Nachbar großzügig den halbmeterbreiten Streifen umsonst gegeben hat, wenn sie den Rest dazu kaufen,
  • das Gelände jetzt also bis dahinten (Hand über die Augen zum Gucken) zum Wald geht,
  • welches Stück sie mit den Bauern drumrum getauscht hätten,
  • es beschwerlich war, im Winter immer den Berg zu den Schaafen hochzufahren,
  • er (der Schaafbesitzer) grad Körner für die Schaafe holen will,
  • er weiß, daß mein Kennzeichen "KS" = Kassel ist, weil er früher Fernfahrer war und überall rumgekommen ist,
  • jetzt für den Schlachthof fährt und drum um halbvier raus muß um ne Ladung Ochsenfleisch von Hier nach Da zu fahren,
  • sie das Stück dadrüben auch noch gekauft haben, damit sie vom Strommast zum Verteiler überhaupt graben dürfen (wegen dem Solarstrom aufm Schaafstalldach)
  • und das daneben, weils sonst mit dem Zugang scheiße gewesen wär,
  • der Junge bei der X im Nachbarort arbeitet
  • und die Schwester vom Schaafbesitzer auch
(da konnte ich jetzt einwerfen, daß der nämliche Firmenchef mein Stiefopa war (dessen Empfehlung eines Finanzberaters mich 10.000 Mark gekostet hat (was ich dem Schaafbesitzer aber nicht gesagt hab)))
  • er (der Schaafbesitzer) den auch gut gekannt habe,
  • weil er früher eine Kneipe im Dorf gehabt hätte
  • und der alte X war ja Jäger und hatte da die Jagt in der Gegend
  • und die Jäger hätten damals einmal im Jahr die Bauern wegen den Wildschäden am Anbau zum Essen eingeladen
(einen Tag vorher hat mir jemand anders erzählt, daß es heut per Ausgleichszahlungen erledigt wird, wenn zb nicht abgeschossene Wildschweinrotten in die Maisfelder einfallen – was einen Jäger ruckzuck in den Ruin treiben kann (es gibt da scheints keine Versicherung))
  • er den Graben für die Kabel zum Verteiler selber gebaggert hat,
  • weil er sich für den Abriß von nem geerbten Haus mal nen ollen Bagger gekauft hat,
  • der Abriß damals schon 20.000 gekostet hätte
  • und im Häuschen sei viel Holz verbaut gewesen, das hätten sie dann halt so über die Jahre verschürt,
  • die Scheune – da neben dem neuen Schaafstall – haben sie damals auch komplett selber gebaut
und anderes …

Danach hätt ich mir die Finger wundrecherchiert …

Was wär, wenn ich n Hund hätt?

Ich liebäugel ja seit Jahren mit nem Teckel, schwarzes Rauhhaar, mit hellbraunem Geläuf und dto Brustfleck. Google-Tags: Erdmann Kassel Roseninsel

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