Ausgewählte Blindtexte Schnipsel, Stammtischparolen, Zettel u.a. –



05.10.10

Erkenntnisse eines Fotoexcursierenden

… ne Kamera ist wie n Hund: man lernt einfach, schnell und freundlich Menschen kennen und kommt mit ihnen ins Gespräch.

Im Gegensatz zum Hund ist der Anlaß allerdings oft – nicht immer – Mißtrauen: in den vergangenen Wochen hat man mir mich bereits drei Mal unterstellt verdächtigt, daß ich Mitarbeiter bei StreetView und somit – nach den Wippermannschen Ausführungen – direkter Mitarbeiter des Leibhaftigen bin.

Ich habe mir also vorgenommen, daß ich, wenn mich das nächste Mal jemand fragt, was ich denn da für wen mache, antworte, daß ich Fotos für StreetView mach – die vom Auto neulich seien nix geworden und ich muß jetzt rumlatschen und nachfotographieren, weil mir sonst die ARGE die Bezüge streicht, die arbeiten nämlich im Geheimen mit Google zusammen.

Seither fragt mich keiner mehr – Scheiß-Kommunikations-Phänomene (oder was da auch immer wirken mag).

Im Gegenteil: vorgestern kam ich sogar mit einem erfreulich unmißtrauischen Schaafbesitzer ins Gespräch und erfuhr innerhalb von 20 Minuten, daß
  • man (sprich: die Schaafbesitzersfamilie) zum Bau eines neuen Schaafsstalls sich entschlossen habe,
  • weil der Junge jetzt doch weitermacht,
  • es außerdem die Solarzellenförderung gegeben habe,
  • der Nachbar großzügig den halbmeterbreiten Streifen umsonst gegeben hat, wenn sie den Rest dazu kaufen,
  • das Gelände jetzt also bis dahinten (Hand über die Augen zum Gucken) zum Wald geht,
  • welches Stück sie mit den Bauern drumrum getauscht hätten,
  • es beschwerlich war, im Winter immer den Berg zu den Schaafen hochzufahren,
  • er (der Schaafbesitzer) grad Körner für die Schaafe holen will,
  • er weiß, daß mein Kennzeichen "KS" = Kassel ist, weil er früher Fernfahrer war und überall rumgekommen ist,
  • jetzt für den Schlachthof fährt und drum um halbvier raus muß um ne Ladung Ochsenfleisch von Hier nach Da zu fahren,
  • sie das Stück dadrüben auch noch gekauft haben, damit sie vom Strommast zum Verteiler überhaupt graben dürfen (wegen dem Solarstrom aufm Schaafstalldach)
  • und das daneben, weils sonst mit dem Zugang scheiße gewesen wär,
  • der Junge bei der X im Nachbarort arbeitet
  • und die Schwester vom Schaafbesitzer auch
(da konnte ich jetzt einwerfen, daß der nämliche Firmenchef mein Stiefopa war (dessen Empfehlung eines Finanzberaters mich 10.000 Mark gekostet hat (was ich dem Schaafbesitzer aber nicht gesagt hab)))
  • er (der Schaafbesitzer) den auch gut gekannt habe,
  • weil er früher eine Kneipe im Dorf gehabt hätte
  • und der alte X war ja Jäger und hatte da die Jagt in der Gegend
  • und die Jäger hätten damals einmal im Jahr die Bauern wegen den Wildschäden am Anbau zum Essen eingeladen
(einen Tag vorher hat mir jemand anders erzählt, daß es heut per Ausgleichszahlungen erledigt wird, wenn zb nicht abgeschossene Wildschweinrotten in die Maisfelder einfallen – was einen Jäger ruckzuck in den Ruin treiben kann (es gibt da scheints keine Versicherung))
  • er den Graben für die Kabel zum Verteiler selber gebaggert hat,
  • weil er sich für den Abriß von nem geerbten Haus mal nen ollen Bagger gekauft hat,
  • der Abriß damals schon 20.000 gekostet hätte
  • und im Häuschen sei viel Holz verbaut gewesen, das hätten sie dann halt so über die Jahre verschürt,
  • die Scheune – da neben dem neuen Schaafstall – haben sie damals auch komplett selber gebaut
und anderes …

Danach hätt ich mir die Finger wundrecherchiert …

Was wär, wenn ich n Hund hätt?

Ich liebäugel ja seit Jahren mit nem Teckel, schwarzes Rauhhaar, mit hellbraunem Geläuf und dto Brustfleck. Google-Tags: Erdmann Kassel Roseninsel

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